under construction

Ein Mann mittleren Alters wanderte durch die Dunkelheit der Nacht. Es war eine so dunkle Nacht, außerhalb der Stadt, man konnte die eigene Hand vor Augen nicht mehr erkennen.

Orientierungslos schlich er durch den Wald. Sein Herz pochte. Es war leises Knistern der morschen Zweige am Boden zu hören. Jedes unzuordenbare Geräusch lies den Mann vor Schreck erstarren.

Regentropfen perlten an seinem durchnässten Körper herab. Sie vermischten sich mit seinen Tränen. Der Mann wusste nicht, wohin er sollte. Angsterfüllt ließ er sich zu Boden fallen und plötzlich schien sich alles zu drehen.

Weißes Licht. Der Mann schreckte zurück, nachdem er wieder zu sich kam. Das Licht einer Taschenlampe beleuchtete sein Gesicht. Rettungskräfte umringten ihn. „Können Sie mich hören?“, sprach die junge Frau mit der Taschenlampe zu ihm. Der Mann öffnete den Mund, doch klare Worte konnte er nicht fassen. „Wie ist ihr Name?“, wollte die junge Frau wissen. Der Mann antwortete nicht.

Am nächsten Morgen wachte er an einem fremden Ort auf. Er fasste sich schmerzerfüllt an die Brust und konnte einen Verband ertasten. „Woher kommen Sie?“, sprach es leise von nebenan. „Ich weiß es nicht.“, antwortete der Mann. Er schien sein Gedächtnis verloren zu haben.

Es war ein großer Saal in einem uralten Gebäude, in dem mehr als 30 Betten standen, teils mit verwundeten Menschen belegt, teils leer stehend. Die Wände waren rissig und rochen feucht. Die Fenster waren beschlagen und mit Gittern versehen. Wo war der Mann gelandet? Wo kam er her?

Es dauerte ein paar Tage, die der Mann, den nun alle Leo nannten, wieder ganz normal gehen konnte, ohne gleich zu röcheln. Es war das erste Mal, dass er einen Schritt nach draußen wagte. Es war nicht nur die Verletzung die ihm zu schaffen machte, sondern auch die Angst, die sich in ihm festgefahren hatte. Langsam bewegte er sich ans Tageslicht. Er riss die Augen weit auf und kniff diese rasch, von der Sonne geblendet, wieder zusammen. Seine Pupillen wurden enger. Sein Herz pochte. Schritt für Schritt, mit einer Hand an einem Geländer an der Fassade des Gebäudes, tastete er sich langsam voran. Er konnte das Meer rauschen hören. Vögel zwitscherten und das Rascheln der Zweige eines Baumes im Wind waren ebenfalls wahrzunehmen. Er kämpfte sich langsam Richtung Felswand empor und betrachtete den steinigen Strand. Ringsum waren lediglich schattige Wälder zu sehen.

Das Knistern der Kiesel hinter Leo, ließ ihn kurz aufschrecken. Jemand schien ihm Gesellschaft zu leisten. Es war der Mann, der sein Krankenbett neben Leos Bett hatte. Er reichte Leo die Hand und grüßte freundlich. Die beiden Männer unterhielten sich eine Weile, rätselnd, weswegen sie sich an diesem, ihnen noch fremden Ort befanden.

Unwetter zog auf und in großer Eile hasteten die beiden Männer zurück ins sichere und trockene Gebäude.

„Ein schwarzer Van und Männer in schneeweißen Anzügen!“, platzte es aus Leo heraus. Erinnerungsfetzen schossen dem verängstigten Mann ins Gedächtnis. „Doch was wollten die Männer von mir? Waren sie hinter mir her?“, fragte er sich selbst leise. „Psst, das waren sie wohl, wie sie auch hinter mir her waren.“, antwortete sein neuer Freund Marcel leise. „Behalte das besser erst ein mal für dich, solange wir uns hier befinden.“, fügte er hinzu. Leo schloß seine Augen und schlief erschöpft in seinem in Schweiß getränktem Bett ein.

Sonnenschein wanderte durch die Gitter der schmutzigen Fenster des Raumes. Der nächste Morgen stand vor der Tür. Eines war den Männern bereits aufgefallen. Sie waren die einzigen, die nicht zu Schweigen schienen. Warum verstummten all die anderen Patienten? Leo schwenkte seinen Blick auf ein Bett schräg gegenüber. Eine sehr junge Frau lag schwer angeschlagen und in vergilbte Verbände gewickelt darin. Ein Mann in hellgrauer Uniform tastete ihren Arm ab. Nun schien er ihr Blut abzunehmen. Die Frau ächzte schmerzerfüllt. Der Mann in Uniform verabreichte ihr eine Spritze mit einem transparenten Serum. Darauf wurde die Frau leise und schlief wieder ein. Der Mann in der grauen Uniform ging zu 4 weiteren Betten und wiederholte den Vorgang. Darauf hin verschwand er durch eine gut abgeriegelte Türe in ein Nebenzimmer. „Was geht hier vor?“, fragte sich Leo. Er konnte nicht ahnen, dass der Mann in der Uniform noch einmal den Raum betreten würde, und vor Leos Bett Halt machen würde. War nun Leo an der Reihe?

„Wie ist Ihr Name?“, fragte er den fremden Mann. „Nennen Sie mich einfach Dr..“, entgegnete der Mann mit einem fadenscheinig sehr freundlichem Lächeln. „Was passiert hier mit uns?“, wollte Leo wissen. „Sie werden es in naher Zukunft erfahren.“, sprach der Dr. leise und richtete Verbandsmaterial vor Leos Bett zurecht. Vorsichtig nahm er ihm den alten, durchbluteten Verband ab und säuberte die Wunde und verband diese neu. Dann warf er ihm ein sauber gewaschenes blau-weiß gestreiftes Pyjama-Hemd und eine passende hellblaue Hose zu. „Ziehen Sie sich das über!“, sprach er und wandte Leo den Rücken zu.

Plötzlich setzte eine Kette an Erinnerungen ein. Leo war Chemiker in einer großen Fabrik gewesen. Er lebte in einer Großstadt etwas abseits am Stadtrand und besaß ein kleines Häuschen mit wunderschönem Garten als alleinerziehender Vater von zwei kleinen Kindern. Leo war beruflich und familiär sehr stark ausgelastet, aber zufrieden mit seinem Leben. Doch was führte ihn in den abgelegenen Wald? Er versuchte sich krampfhaft zu erinnern, doch dies blieb erfolglos. „Sie müssen Geduld mit sich haben.“, sprach der Dr. nun wieder zu Leo gewandt zu ihm. Er schien ihm die bohrenden Gedanken anzumerken. „Beruhigen Sie sich, Ihren Kinder geht es gut, das verspreche ich Ihnen.“, setzte er fort. „Wo sind sie? Was ist nur geschehen?“, antwortete Leo besorgt. Der Dr. antwortete nicht mehr und verschwand nach draußen. Wie von der Tarantel gestochen, folgte ihm Leo und stellte weitere bohrende Fragen. Der Dr. zündete sich gemächlich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Dann begann er damit, erste Antworten zu liefern. „All die Menschen hier sind äußerst wertvoll für Jemanden da draußen. Sie tragen eine Gemeinsamkeit mit sich herum. Sie sind die landesweit erfahrensten Chemiker und Forscher und jemand braucht ihre Fähigkeiten. Jemand hat Großes mit ihnen vor, doch hat diese Person keine guten Absichten.“ Der Dr. nahm einen weiteren tiefen Zug von seiner Zigarette. „Warum denken Sie, hat man Sie im Wald gefunden, Herr Markolb?“. Leo riss die Augen auf. War das sein Name? Weitere Erinnerungen schossen in ihm hoch. Er erinnerte sich an ein Formular für einen Auftrag. Jemand hatte vor, Leo anzuheuern. Bernd! Leos Geburtsname war Bernd Markolb. „Ich merke, Sie erinnern sich langsam.“, warf der Dr. erleichtert ein. „Da Sie den Auftrag nicht annehmen wollten, fühlte sich jemand dazu verpflichtet, Sie dazu zu zwingen. Die Männer in weiß haben nicht nur versucht, Sie zu betäuben und einzupacken. Sehen Sie sich hier um. All die Menschen in diesen Räumlichkeiten haben nach Herz und Verstand gehandelt und sich gegen die erste Aufforderung zum Jobwechsel entschieden. Dafür sollten ihre Familien bezahlen, indem diese Männer und Frauen von ihnen weggerissen werden sollten. Es ist uns gelungen, einige von ihnen rechtzeitig zu schützen. Wir haben auch ihre Familien an einen sicheren Ort gebracht. Doch andere Männer und Frauen hatten weniger Glück und wurden mit einem schwarzen Van an einen abgelegenen Ort transportiert und werden dort festgehalten und mit dem Druckmittel Familie manipuliert. Sie arbeiten nun für dieses Pack.

… Fortsetzung folgt …